Der Weg bis zur Transplantation

In diesem Themenabschnitt möchten wir nochmals einen zusammenfassenden Überblick über den Ablauf einer Organspende geben. Nach der Feststellung des Hirntods eines Menschen muss geklärt werden, ob einer Organspende zugestimmt wurde und die Organe für eine Spende geeignet sind. Erst dann können die Organe zentral vermittelt werden und einem geeigneten Empfänger transplantiert werden. Um das „neue“ Organ nachträglich vor einer Abstoßung durch das Abwehrsystem des Empfängers zu schützen, ist eine lebenslange medikamentöse Nachbehandlung notwendig.
Der Ablauf einer Organspende gliedert sich in mehrere Abschnitte.

Der Verdacht auf eingetretenen Hirntod
Bei Verdacht auf einen eingetretenen Hirntod eines Menschen wird die Hirntoddiagnostik von 2 erfahrenen Fachärzten unabhängig voneinander vorgenommen.

Die Feststellung des Hirntods
Sollte der Hirntod – und damit der endgültige Tod des Menschen - sicher festgestellt werden und medizinisch grundsätzlich eine Organspende in Frage kommen, wird die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) zur Koordination einer möglichen Organspende eingeschaltet.

Das Angehörigengespräch
In Deutschland gilt für die Organspende nach dem Tod die sogenannte „erweiterte Zustimmungslösung“, die vom Transplantationsgesetzt geregelt wird. Dem Gesetz zufolge muss herausgefunden werden, ob der Verstorbene zu Lebzeiten im Falle seines Todes für eine Organspende gewesen ist (§3 Transplantationsgesetz). Hierzu wird mit den Angehörigen ein Gespräch geführt. Der Hirntod des Menschen ist für die meisten Angehörigen schwer zu verstehen. Durch die Trauer über den Verlust des geliebten Menschen erweist sich die Bitte um Organspende als „eine der schwierigsten Fragen in der unpassendsten Situation an die unglücklichste Familie“. Sollte der Wille des Patienten nicht dokumentiert sein, z.B. durch einen Organspendeausweis, müssen die nächsten Angehörigen nach dem mutmaßlichen Willen des Verstorbenen entscheiden. Das heißt, sie müssen so entscheiden, wie der Verstorbene wohl entschieden hätte.

Die Entscheidung zur Organspende


Die Prüfung der Eignung des Organs zur Spende:
Sollte einer Organspende zugestimmt worden sein, müssen einige medizinische Tests durchgeführt werden, um herauszufinden, ob die Organe „gesund“ sind. Es muss ausgeschlossen werden, dass der Spender irgendwelche schwerwiegenden Infektionskrankheiten (z.B. HIV) gehabt hat, die er möglicherweise auf den Empfänger übertragen könnte. Um zu gewährleisten, dass das gespendete Organ beim Empfänger auch funktionsfähig sein wird, muss die Funktion vorher ermittelt werden. Des weiteren müssen Blutgruppe und Gewebemerkmale bestimmt werden. Durch eine Transplantation mit möglichst gleichen Gewebemerkmalen kann das Risiko einer Abstoßung minimiert werden.

Die Vermittlung der Organe durch Eurotransplant
Die zentrale Vermittlungsstelle der Organe ist Eurotransplant. Hierzu gehören mehrere Länder Europas, wie Deutschland, Belgien, Niederlande, Österreich, Slowenien, Kroatien und Luxemburg. Auf der Basis von objektiven, medizinischen Kriterien wird nach dem optimalem Empfänger für die Organe gesucht. Kriterien für die Organvermittlung stellen beispielsweise: Gewebemerkmale, Dringlichkeit und Größe des Organs dar. Einem Säugling kann z.B. kein Herz eines Erwachsenen eingepflanzt werden. Auch die Länge des Transportweges spielt eine Rolle, da das gespendete Organ nach längerer Entnahmezeit Schaden davon tragen kann.

Organentnahme und Transport
Die Organentnahme erfolgt im Krankenhaus des Verstorbenen durch ein spezialisiertes Team aus einem Transplantationszentrum. Das Organ wird dann ohne Durchblutung in speziellen Behälter in einer speziellen Lösung gekühlt schnellstmöglich ins Transplantationszentrum transportiert wo der zu transplantierende Patient schon wartet. Diese Zeit ist begrenzt, denn je länger das Organ ohne Durchblutung ist, desto wahrscheinlicher wird es dadurch geschädigt.

Die Transplantation
Die Transplantation erfolgt operativ in einem Transplantationszentrum.

Wie lange ein übertragenes Organ voll funktionsfähig bleibt, ist individuell sehr unterschiedlich. Zudem ist es abhängig davon, welches Organ transplantiert wurde. Die Lebensdauer eines Organs ist u.a. abhängig vom Alter des Organs und seiner Funktion vor Transplantation, von der Zeit, die zwischen der Entnahme und der Einplanzung des Organs vergangen ist, und davon, inwieweit der Körper des Empfängers das neue Organ annimmt.

Immunsuppressive Therapie
Das körpereigene Abwehrsystem erkennt das neue Organ als „fremd“. Um zu verhindern, dass das neue Organ von Abwehrzellen angegriffen und zerstört wird, ist eine lebenslange, medikamentöse Nachbehandlung notwendig, die die Immunabwehr des Patienten unterdrückt. (sogenannte Immunsuppressiva) Dadurch kann heutzutage eine Abstoßung größtenteils verhindert werden. Der Patient muss sich allerdings regelmäßigen Kontrolluntersuchung unterziehen, sowie sich möglichst vor Infektionen schützen, da er durch die Medikamente sehr anfällig hierfür ist.

Ansonsten ist nach einer Transplantation ein „normales Leben“ mit dem neuen Organ möglich. Ohne Transplantation hingegen ist das Leben mit der Erkrankung stark eingeschränkt, wenn nicht sogar unmöglich. Insofern stellt eine Transplantation oft die einzige noch mögliche Behandlungsoption dar, um den Patienten vor dem Tod zu bewahren.