Transplantationsrecht

In Deutschland gilt seit 2012 die sogenannte Entscheidungslösung.
Hierzulande kann man ab dem 14. Lebensjahr der Organentnahme eigenmächtig widersprechen und ab dem 16. Lebensjahr eigenmächtig zustimmen. Der Organspendeausweis ist rechtlich verbindlich! Er nimmt den Angehörigen eine belastende Entscheidung ab. Im Rahmen der Entscheidungslösung wird jeder Versicherte in regelmäßigen Abständen von seiner Krankenkasse angeschrieben und aufgefordert, sich zum Thema "Organspende" eine Meinung zu bilden.

Als Voraussetzung für die Organentnahme muss die Hirntoddiagnostik abgeschlossen worden sein und der Organspender selbst, ein Bevollmächtigter oder ein Angehöriger müssen eingewilligt haben.

Die Organentnahme muss durch einen Arzt vorgenommen werden, nachdem dieser die Angehörigen über die Organentnahme aufgeklärt hat.

Die Organentnahme muss unter Achtung der Würde des Organspenders erfolgen und der ärztlichen Sorgfaltspflicht entsprechend durchgeführt werden. Der Leichnam muss in würdigem Zustand zur Bestattung übergeben werden und die Angehörigen können nach Ihren Wünschen von dem Verstorbenen Abschied nehmen und diesen auch sehen.

In einigen weiteren europäischen Ländern, wie. z.B. Österreich, Spanien und Ungarn gilt dahingegen die Widerspruchslösung. Hierbei muss der potentielle Spender zu Lebzeiten ausdrücklich der Organentnahme widersprechen (Register/Ausweis), da andernfalls nach Diagnose des Hirntodes die Organentnahme erlaubt ist. Hierbei wird zwischen einer „engen“ und „erweiterten“ Lösung unterschieden. Bei der „erweiterten“ Lösung dürfen die Angehörigen widersprechen, bei der „engen“ jedoch nicht. Oftmals werden jedoch auch bei der „engen“ Zustimmungslösung die Angehörigen befragt und mit in die Entscheidung einbezogen.

Hirntod

Der Hirntod beschreibt definitionsgemäß die irreversibel erloschene Gesamtfunktion des Groß- und Kleinhirns und des Hirnstamms. Es liegt ein unwiederbringlicher Ausfall folgender Aspekte vor: Der lebenserhaltenden Funktionen, des Bewusstseins, der Sinneswahrnehmungen und der Handlungen des Menschen.

Der Hirntod ist in Deutschland die Voraussetzung für eine Organspende. Somit kann nicht jeder Besitzer eines Organspendeausweises Spender werden. Entscheidend ist, dass ein isolierter Hirntod ohne Ausfall der Herz-Kreislauf-Funktion vorliegt, da sonst die Organe geschädigt würden. Die Atmung und die Herz-Kreislauf-Funktion werden bis zur Organentnahme künstlich aufrechterhalten. Der Patient fühlt sich dabei warm an und scheint zu atmen (bedingt durch die maschinelle Beatmung). Er ist jedoch unwiederbringlich tot!

Der Hirntod ist das sicherste Todeszeichen!

Die Voraussetzung für den Hirntod ist eine schwere Hirnschädigung. Diese kann u.a. durch Verletzungen, Tumoren, Hirnblutungen, Schlaganfall oder Hirnentzündungen bedingt sein. [Die Hirnzellen schwellen an, der Druck im Schädel steigt an und übersteigt den mittleren Blutdruck, was dazu führt, dass das Gehirn nicht mehr durchblutet werden kann und die Hirnzellen absterben. Dies hat zur Folge, dass die Funktion des Gehirns unwiederbringlich erlischt.]

Hirntoddiagnostik

Zur Diagnose des Hirntodes gelten strenge Richtlinien. Dieser muss immer durch zwei Ärzte mit mehrjähriger Erfahrung in der Intensivbehandlung von Patienten mit schweren Hirnschädigungen unabhängig voneinander diagnostiziert werden. Diejenigen Ärzte, die den Hirntod feststellen, dürfen weder an der Organentnahme noch der Transplantation beteiligt sein.

Bei der Diagnosestellung Hirntod kommt ein 3-Stufen-Modell zum Einsatz:

1. Es müssen die Voraussetzungen vorhanden sein, d.h. es muss ein Hirnschaden vorliegen und Verwechselbares (Vergiftung, Beruhigungsmitteleinnahme, Unterkühlung, Sauerstoff-Mangel, Hirnnervenentzündungen, Stoffwechselentgleisungen, Schock) muss ausgeschlossen werden.

2. Das klinische Syndrom = Ausfallsymptome des Gehirns muss diagnostiziert werden. Dieses umfasst 3 Teilbereiche:

a) Der Patient ist komatös, d.h. er ist bewusstlos und zeigt weder eine Augenöffnung noch andere Reaktion auf wiederholte adäquate Schmerzreize.

b) Es liegt eine Hirnstamm -Areflexie vor. Diese zeigt sich durch lichtstarre, entrundete Pupillen, einen fehlenden Hornhautreflex, Reaktionslosigkeit auf Schmerzreize im Gesicht, das Nicht-Vorhandensein von Augenbewegungen bei Spülen des Gehörganges mit Eiswasser und das Fehlen des Würge- und Hustenreflexes.

c) Es liegt ein Atemstillstand (Apnoe) vor. Dieser zeigt sich darin, dass bei Abstellen der maschinellen Beatmung auch nach einer festgesetzten Wartezeit der Patient keine selbständigen Atemzüge durchführt.

3. Der Unwiederbringlichkeitsnachweis. Hierbei wird die klinische Untersuchung nach vorgegebener Zeit wiederholt. Es können auch apparative Zusatzuntersuchungen durchgeführt werden, z.B. ein EEG (Ausfall der hirneigenen elektrischen Aktivität) oder eine Angiographie/Perfusionsszintigraphie (Ausfall der Blutversorgung und des Stoffwechsels des Gehirns).

Alle erhobenen Untersuchungsergebnisse, das Datum, die Uhrzeit und die untersuchenden Ärzte müssen auf dem standardisierten Protokoll des wissenschaftlichen Beirats der Bundesärztekammer dokumentiert werden.